Celebrity Deathmatch - Presse
 
 
 
Berliner Zeitung:
Puppenmassaker: Wo sich Promis an die Gurgel gehen

MTV startet das deutsche "Celebrity Deathmatch"

Es werden Nasen brechen, Bäuche platzen, Köpfe bersten. Sabrina Setlur reißt Anke Engelke die Brüste ab, Harald Juhnke amputiert Udo Lindenberg mit einem Ruck den Arm, und zwischen Joschka Fischer und Gerhard Schröder fliegen so lange Steine, Bomben und Zigarren bis von Kanzler und Außenminister nicht mehr viel übrig ist, zumindest nichts, was man im herkömmlichen Sinne als regierungsfähig bezeichnen könnte. Nach 90 Sekunden ist alles vorbei, ein kurzes aber intensives Massaker, und sollte es einen Überlebenden geben, so ist er nicht mehr im Vollbesitz seiner Gliedmaßen. Die Verluste sind hoch beim "Celebrity Deathmatch", dem Todeskampf der Promis, aber ohne Verluste kein Spaß, und ohne Blut kein Vergnügen. Letztlich ist alles Satire, sagt MTV. Schwarzer Humor. 

Seit 1997 läuft die Serie bei MTV in den USA. Stars aus Film, Musik, Politik und Sport, nachempfunden aus Knete und Kunststoff, hauen sich im Wrestling-Ring zu Klump. Amerikanische Teenager finden das großartig, kaum eine andere MTV-Sendung hat so hohe Einschaltquoten, derzeit entsteht ein Kinofilm zur Serie.

Was in den USA gut läuft, kommt irgendwann nach Deutschland, seit Januar 1999 wird auch bei MTV Germany gekämpft, bisher allerdings in der Originalversion mit US-Stars und englischen Kommentaren. Das Publikum fand es lustig, aber noch lustiger wären deutsche Stars mit deutschen Kommentaren, und so gibt es nun die lokale Adaption mit Kämpfen zwischen Xavier Naidoo und Thomas D, Stefan Kretschmar und Mario Basler, Sven Väth und Westbam. Elf Kämpfe ließ MTV produzieren. Der Sendetermin war die einzige Auflage der Bayerischen Landesmedienanstalt für die deutsche Sendelizenz: "Celebrity Deathmatch" darf nur nach 20.00 Uhr gezeigt werden. 

Ein bisschen politische Aufregung gab es dann doch noch, weil der Kanzler den Außenminister schlägt und der Kanzler den Außenminister zerlegt, dass alles nicht schön ist und schon gar nicht angemessen für Regierungsmitglieder. "Wir werden die Sendung prüfen", hieß es aus dem Kanzleramt, wobei die Prüfung nichts ergab, außer der Einschätzung, dass man wohl nichts machen könne. SPD-Fraktionschef Peter Struck zeigte zumindest seine gesunde Empörung und befand, dass es "offensichtlich immer noch Möglichkeiten gibt, schlechten Geschmack im Fernsehen zu unterbieten". Was wohl auf die Mehrzahl aller neuen Fernsehformate zutreffen dürfte. MTV muss das alles freuen, weil solch aufrichtige Empörung für Aufmerksamkeit sorgt und Aufmerksamkeit immer gut ist, wenn es darum geht, eine neue Serie zum Erfolg zu machen. 

Die Fangemeinde in Deutschland ist seit 1999 ständig gewachsen, zu keiner anderen MTV-Sendung gibt es mehr Briefe und Anrufe als zu "Celebrity Deathmatch", die Show ist auf dem Weg zum Kult, ähnlich wie die Trick-Serie "Beavis and Butthead". Man muss es nicht mögen, gegen den Vorwurf der Geschmacklosigkeit gibt es wenig einzuwenden. Möglicherweise ist "Celebrity Deathmatch" auch nicht witzig. Es ist eine Parodie, ein Kabarett aus Knete, und man kann sich daran erfreuen, dass Stefan Raab die Glieder verdreht bekommt, weil man das auch selbst schon einmal machen wollte, seit er mit "TV Total" nervt. 

"Celebrity Deathmatch" ist bemerkenswert, weil dort die Pop-Ikonen zu Knetfiguren schrumpfen, die MTV zuvor selber aufgebaut hat und von deren Ikonenhaftigkeit der Sender lebt. Pop ist auch Trash und wann wird dies deutlicher als im Klassiker des US-Originals: Pamela Anderson verrutschen nach einem Schlag die Silikonimplantate in die Hände und kehren über die Schulter zurück in die Brust. 

"Celebrity Deathmatch", Do, 23.00 Uhr, MTV; Wiederholungen am 23. und 28.06.