Celebrity Deathmatch - Presse
 
 
 
Die Welt:
Jetzt helfen nur noch Fischers Straßenkampf-Erfahrungen 

Die Promi-Knetfiguren tragen Kämpfe aus, bei denen es so richtig zur Sache geht. MTV-Deutschland zeigt mit dem „Celebrity Deathmatch“ eine der teuersten Eigenproduktionen

Von Malte Oberschelp

München - Mit der Eindeutschung US-amerikanischer Fernsehformate ist es so eine Sache. Beim "Quiz 21" kann man nicht viel falsch machen, die Vermarktung von "Anke" Engelke als deutsche "Ally McBeal" dagegen grenzte an Hochstapelei. Bei der Sendung "Celebrity Deathmatch" (Start Donnerstag, 23 Uhr, MTV) lässt sich immerhin einiges falsch machen. Die MTV-Show, in der sich Film- und sonstige Stars als animierte Knetfiguren im Boxring auf ebenso phantasievolle wie grausame Art und Weise zu Tode bringen, läuft seit 1997 erfolgreich in den USA und wurde bald darauf auch nach Deutschland importiert, zunächst aber nur in der US-Version. 

Wie Jack Nicholson Leonardo DiCaprio mit dem Golfschläger vermöbelt oder Sean Connery und Roger Moore die "Battle of the Bonds" austragen, fand auch hierzulande so viele Fans, dass MTV Deutschland jetzt Todeskämpfe mit einheimischen Hauptdarstellern bietet. Heute abend werden sich erstmals Stefan Raab und Harald Schmidt gegenseitig demolieren, die beiden Techno-DJs Sven Väth und Westbam aufeinander eindreschen oder Handball-Punk Stefan Kretzschmar und Fußball-Enfant-Terrible Mario Basler zu Kickboxern mutieren. 

Die deutsche Ausgabe der Sendung ist Teil jener Maßnahmen, mit der die mittlerweile zu Tm 3 gewechselte Ex-Chefin Christiane zu Salm den Sender gegenüber der Konkurrenz Viva 2 erwachsenentauglicher machen wollte. Die Qualität des Originals zu erreichen, wird nicht einfach. Als Parodie einer Wrestling-Übertragung angelegt, also als Parodie einer Parodie, lebt "Celebrity Deathmatch" nicht nur von seiner eigenwilligen Ästhetik, die Splatter-Filme mit dem Ambiente der Augsburger Puppenkiste kreuzt. Wichtig ist auch der Glamour-Faktor der Akteure, deren Leben als öffentliche Figur Dramaturgie und Kommentatoren als Materialbasis dient.

Weshalb sich etwa die Frage stellt, warum Thomas Gottschalk nur einen Gegner der Gewichtsklasse Kai Pflaume abbekommen hat. Überhaupt ist die deutsche Version durch ein zurückhaltendes Casting gekennzeichnet. Während das amerikanische "Celebrity Deathmatch" zum Start gleich mit Charles Manson gegen Marilyn Manson in die Vollen ging, fehlen den deutschen Kämpfen große Kontroversen wie etwa Hoeneß vs. Daum. Und Campino von den Toten Hosen würde man lieber gegen einen Volksmusikanten als gegen Bela B. von den Ärzten sehen. Mehr Brisanz verspricht da das Match Gerhard Schröder gegen Joschka Fischer - nicht nur der Straßenkampferfahrung des Außenministers wegen. 

"Es gibt offenbar immer noch Möglichkeiten, schlechten Geschmack im Fernsehen zu unterbieten", hatte SPD-Fraktionschef Peter Struck in der "Bild"-Zeitung moniert, als der geplante Auftritt des Kanzlers in "Celebrity Deathmatch" bekannt wurde. Vermutlich dachte Struck vorauseilend an den Ärger, den sein Chef ein paar Monate zuvor wegen der RTL-Comedy "Wie war ich, Doris?" angezettelt hatte. Bei MTV nahm man die Kritik gelassen. "Schon Wochen vorher hatte ich mit dem Kanzleramt Kontakt", sagt Programmdirektor Elmar Giglinger, "und das war ein durchaus freundschaftliches Gespräch". Ob demnächst auch einmal Gregor Gysi gegen Helmut Kohl in Auftrag gegeben wird, soll die Resonanz auf die erste eigenproduzierte Staffel - "für Musikfernsehverhältnisse schließlich eine äußerst teure Sache" - entscheiden. 

Ob die hohen Kosten den Inhalt rechtfertigen, steht auf einem anderen Blatt. Und auch, ob es mit Geschmack zu tun hat, wenn sich deutsche Politiker in Knetgummiform gegenseitig tot schlagen. Aber was Qualität ist, entscheidet ja letztendlich der Zuschauer.